Zeitgedicht, 1/7/16

Wählen. Wurschteln.
Wider Wahlen
wieder wählen.
Würschtel, wir
in Österreich.

Zeitgedicht, 6/16

Axit Brexit Cexit
Knallrot blinkt es Exit
Die Menschen sagen erst mal Nein
Was trendet, ist dagegen sein
Und aus dem, was einst Kritik,
blähn sich die Clowns der Politik

Zaun und Mauer, Aus und Stopp
Waffen für den wilden Mob
Wir sitzen nicht in eurem Boot
Uns steuert unsre eigene Not
Exit, gehts geradeaus
Der nächste Ort, ein altes Wort:
Garaus

Getaggt mit

Crime and Body Parts

Oder: Robin und Jessica.

Das mit dem Grauslichen ist nicht so meins. Bei Krimis habe ich mich in der Vergangenheit im Wesentlichen auf Patricia Highsmith beschränkt. Blutigen und gewaltträchtigen Filmen und Serien bin ich lieber ausgewichen. Doch gerade zur besinnlichen Weihnachtszeit bin ich in fiktionale Unterwelten eingetaucht.

„Career of Evil“ und „Jessica Jones“
Zum einen kam ich dazu, den dritten Roman von J. K. Rowling als Robert Galbraith zu lesen. Ich habe ja „Harry Potter“ ausgelassen, mich aber über den „Silkworm“ mit dem Rowling-Universum angefixt. Der Krimi im literarischen Milieu war so spannend, dass ich den ersten, „The Cuckoo’s Calling“, nachgelesen habe und nun auch den dritten, „Career of Evil“, haben musste. Rowlings Fähigkeit, Welten zu erschaffen, breite Handlung zu organisieren, sinnlich zu erzählen und treffend das Zwischenmenschliche zu benennen, ist beeindruckend.
Zum anderen war endlich mal Zeit, Netflix zu testen und die vielgelobte Superheldinnenserie „Jessica Jones“ zu binge-watchen.

Starke Heldinnen

CareerOfEvilSomit war ich mittendrin, auf Ermittlung in London und New York. Was der Roman und die Serie gemeinsam haben, sind Heldinnen mit Durchschlagskraft. In den Robert-Galbraith-Krimis steht zwar der Detektiv Cormoran Strike im Zentrum, ein Ex-Militärpolizist und Kriegsveteran. Doch mit jedem Roman rückt seine anfängliche Assistentin und spätere Partnerin Robin Ellacott stärker in den Mittelpunkt. Robin ist leidenschaftlich an Kriminalpsychologie interessiert, liebt die Detektivsarbeit, ist eine hervorragende Autofahrerin und Selbstverteidigerin. Dabei ist sie charmant, freundlich und vertrauenserweckend.

Jessica Jones NetflixDas ist Jessica Jones, überzeugend verkörpert von Krysten Ritter, nicht. Sie ist eine unfreiwillige Heldin, eine Waise mit übermenschlichen Kräften, die als einzige einen gefährlichen persönlichen Gegner zur Strecke bringen kann. Jessica weist vielmehr die klassischen Merkmale eines (männlichen) Privatdetektivs in der Tradition von Sam Spade bis Cormoran Strike auf und zeichnet sich durch düstere Laune, knappe Worte und den Konsum von hochprozentigem Alkohol aus. Während Robin auch mal im Sommerkleid mit Strohhut ermittelt, besteht Jessica Jones‘ Anti-Uniform aus Jeans und Bikerjacke. Möchte Robin noch ihrer Rolle als Tochter und Verlobter genügen, so gelten für Jessica keine Konventionen mehr. Fokussiert, entschlossen und schlagkräftig sind sie beide.

Blut und blutiger
Und noch etwas haben der Roman (dessen Vorgänger übrigens durch die BBC verfilmt werden sollen) und die Serie gemeinsam: Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto brutaler und blutiger wird das Geschehen. Cormoran Strike und Robin Ellacott dringen immer tiefer in die seelischen Schichten von gleich drei verdächtigen Psychopathen ein, während ein Frauenmörder auf den Straßen Londons Souvenirs in Form von Gliedmaßen sammelt. Jessica Jones muss (ebenso wie das Netflix-Publikum) zusehen, wie immer mehr Menschen in ihrem Umkreis zu Mördern und Selbstmördern werden.

Die Kekse sind mir manchmal fast im Hals steckengeblieben. Und Fakt und Fiktion verschwammen auf eigenartige Weise, als zugleich in der  Realität ein Koffer mit einer zerstückelten Leiche im Traunsee Schlagzeilen machte. Nachdem der dritte Cormoran-Strike-Fall gelöst ist und Jessica Jones ihrem Gegner final gegenübertreten konnte (mehr verrate ich hier nicht), mache ich Pause von den grausigen Geschichten. Empfehlen kann ich sie trotzdem. Vielleicht nicht im Triple-Pack.

Kaugummiglück

© MAK/Aslan Kudrnofsky

© MAK/Aslan Kudrnofsky

„Wie glücklich sind Sie?“ In der „Happy Show“ von Stefan Sagmeister im MAK gibt es eine Installation, die zugleich Glücksspender und Glücksbarometer ist: 10 Kaugummiautomaten symbolisieren eine Glücksskala von 1 bis 10. Die Besucher können aus der entsprechenden Röhre einen Kaugummi ziehen. So entsteht ein Gesamtbild des Glückslevels wenn nicht der Wiener Bevölkerung, so zumindest des designinteressierten Museumspublikums.
Und das scheint hoch zu sein: Säule Nummer 10, die höchste Glücksstufe, war beinahe leer. Die Frau vor mir lächelte fröhlich, als sie einen der letzten Kaugummis zog. Ich versuchte mein Glück im bescheideneren Bereich. Doch so viel ich auch drehte – kein Kaugummi sprang raus.
Nun frag ich mich, ob das halt so ist, wenn man weniger Glück hat.
Oder ob die Leute gar nicht alle so happy sind, aber ihren Kaugummi nicht rausgekriegt haben.

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